27. Oktober 2010

Wie erreicht man international die Zielgruppe seines Unternehmens?

Abgelegt unter: Übersetzung — Tags:, , — Petra @ 16:14

– Gastbeitrag –

Internationalisierung von Webauftritten wird für Privatanwender, Unternehmen und Blogs zunehmend interessanter. Wie dies effektiv und erfolgreich erfolgen kann, soll im folgenden kurz dargestellt werden.

Das Internet bietet allen Usern nie da gewesene Möglichkeiten, sich international darzustellen oder Ihre Meinung zu verbreiten. Kleine Unternehmen oder Einzelpersonen können sich auf der internationalen Bühne genauso darstellen, wie Großkonzernen oder NGOs. Die Hürden für internationales Renommee und Anerkennung sinken.

Um neue Interessenten und Märkte zu erreichen, ist es allerdings nicht genug, seine Webseite nur in Englisch online zu stellen. Vielmehr müssen unterschiedliche Aspekte berücksichtigt werden, um eine erfolgreiche Internationalisierung eines Webauftritts zu erreichen. Damit Sie Menschen auf dem ganzen Globus für sich und/oder Ihre Produkte und Services gewinnen, haben wir in diesem Artikel eine kurze Zusammenschau der wichtigsten Empfehlungen zur erfolgreichen Webseiten-Internationalisierung erstellt.

Internationalisierung bereits in der Konzeption
Bereiten Sie schon in der Konzeptionsphase Ihren Webauftritt auf eine internationale Ausrichtung vor. Stellen Sie bei der Wahl der technischen Plattform sicher, dass diese auf mehrere Sprachen skaliert werden kann. Viele der heutigen CMS (Content Management System) sind darauf bereits ausgerichtet – ein kurzer Check bewahrt einen später vor unliebsamen Überraschungen.
Achten Sie dabei auch auf die Zeichensätze, die ein CMS oder Ihr Webseiten-Design verwalten kann. Hier ist UTF-8 als Standard unbedingt zu empfehlen. Dieses Format bildet alle Zeichensätze ab und somit nicht nur Sprachen mit lateinischen Zeichensatz. Auch Chinesisch oder Arabisch sind bspw. darstellbar.

Auch das Design der Webpräsenz sollte schon in der Gestaltungsphase auf die Übertragbarkeit in andere Sprachen ausrichtet werden. So wird z.B. in Israel von rechts nach links gelesen. Eine horizontale Ausrichtung der Menü-Leisten erlaubt so die Übersetzung der Webseite, ohne diese komplett überarbeiten zu müssen.

Übersetzen Sie Ihre Webseiten in die jeweiligen Landessprache
75 % der Weltbevölkerung sprechen kein Englisch. Die meisten Internetuser nutzen Suchmaschinen in Ihrer Landessprache und besuchen bevorzugt Seiten in ihrer Muttersprache.
Daher ist eine alleinige Übersetzung Ihrer Webseite auf Englisch für eine nachhaltige Internationalisierung nicht ausreichend. Das Zielpublikum will in seiner Sprache angesprochen werden. Andernfalls sind hohe Abbruchraten und damit einhergehend geringer Erfolg der Seite zu erwarten.

Weiterhin ist zu beachten, dass es zwischen Ländern mit vordergründig gleicher Landessprache erhebliche Unterschiede geben kann. Es finden sich teilweise große Diskrepanzen zwischen Ländern wie USA und Großbritannien oder Mexiko und Spanien.
Das spanische Wort „coche“ bedeutet in Südamerika Kinderwagen, in Spanien aber Auto. Ähnliche Beispiele gibt es zwischen Britischem und US-amerikanischem Englisch oder aber im Portugiesischen – abhängig davon, ob es in Portugal oder Brasilien gesprochen wird.

Achten Sie bspw. auch darauf, dass in einem Land mehrere Sprachen gesprochen werden. So sind in der Schweiz deutsch, französisch und italienisch offizielle Amtssprachen. In Belgien Französisch, Niederländisch und Deutsch. Besonders bei Geschäftsseiten sollte man diskriminierungsfrei alle Landessprachen anbieten.

Lokalisierung – mehr als reine Übersetzung
Verschiedene Kulturen und Kulturkreise haben unterschiedliche Vorstellungen wie Webseiten designt und was dargestellt werden soll und darf. Im islamischen Kulturkreis sind bspw. freizügige Bilder verpönt. Bereits die Darstellung einer Dame im Minirock oder die Werbung für eine Sauna kann hier Verstimmung auslösen, bzw. z.T. sogar zur Sperrung der Seite führen.
Recherchieren Sie daher gezielt nach derartigen Besonderheiten oder lassen Sie dies von Lokalisierungsspezialisten erledigen.
Neben Bildern und Sprache stellen Maßeinheiten, Währungen und Datumsangaben oft Stolpersteine bei der Internationalisierung dar. Es gibt bspw. neben dem deutschen Format TT.MM.JJ auch die Schreibweisen MM/TT/JJ sowie JJ/MM/TT. Ein einzelnes Datum im Format „02/04/03“ kann also sehr unterschiedlich interpretiert werden.
Die Preise für Waren und Dienstleistungen sollten immer in der jeweiligen Landeswährung angegeben sein. Auch Sie dürften es kaum schätzen, wenn Sie etwas bestellen und jedes mal von Yen in € selbst umrechnen müssten.

Eigene Domain vs. Subdomain auf der bestehenden Seite
Ist es sinnvoller, sich für seinen Webauftritt in einem anderen Land eine neue Domain (www.meinefirma.es für Spanien) zu sichern oder aber eine Unterseite auf der Originalseite einzurichten (bspw. www.meinefirma.de/es)? Hier geht unser Votum eindeutig zu einer neuen Domain für das Zielland. Wie bereits erwähnt, suchen User bevorzugt in ihrer Landessprache. Seiten mit einer eigenen Domain werden von Suchmaschinen definitiv bevorzugt. Eine einzige Domain mehrsprachig zu platzieren ist dagegen sehr aufwendig bis unmöglich. Viele Angebote gehen dabei unter. Außerdem bringen die Links, wenn geschickt platziert, valide Backlinks und verbessern so das allgemeine Ranking aller unternehmenseigenen Seiten.

Online Marketing
Neben dem Launch der Webseite müssen Sie natürlich auch im jeweiligen Land bekannt werden. Dies ist durch Online Marketing relativ kostengünstig möglich. Es erfordert jedoch einigen Aufwand und Geduld. Identifizieren Sie wichtige und glaubwürdige Blogs und andere Medien in Ihrem neuen Markt.
Lancieren Sie in diesen Medien Pressemitteilungen oder schreiben Sie Blogbeiträge als Gastautoren.
Dies bringt wertvolle Reputation, ist aber natürlich im Vergleich zu Suchmaschinenwerbung aufwendig. Dafür sind die Ergebnisse nachhaltiger und kosteneffizienter.

Über den Gastautor
Tobias Holzner ist der Geschäftsführer des Webseiten-Übersetzungsunternehmens viseto, dem Spezialisten für Komplettlösungen für Webseiten-Internationalisierung. viseto bietet seinen Kunden die Möglichkeit ihre Webseiten in mehr als 100 Sprachen übertragen zu lassen. Dabei übernimmt viseto nicht nur die Übersetzung sondern auch das Hosting und die Aktualisierung der übersetzten Seiten. Darüber hinaus bietet viseto auch technische Fachübersetzungen in allen gängigen Sprachen an.

25. Oktober 2010

Ist Übersetzen überhaupt möglich?

In einer Schwammkopf-Folge fährt der Tintenfisch in einem aufgemotzten Auto herum und sagt: “Schaut mal: mein neues Muskelauto!” Das ist die wörtliche Übersetzung des englischen muscle car, und ich dachte, es müsse doch eine bessere Übersetzung geben. Aber ich fand keine.

Schaut man sich die Bilder von Muscle Cars an, denkt man an – wie gesagt – aufgemotzte Autos, wie sie auch auf unseren Straßen zu sehen sind: tiefergelegte BMWs mit Breitreifen und Heckspoiler zum Beispiel.

Der Schein trügt jedoch. Unter “Muscle Cars” versteht man im US-amerikanischen nämlich laut Wikipedia erstens nur Autos bestimmter amerikanischer Hersteller wie Chevrolet, Dodge oder Oldsmobile mit einem Acht-Zylinder-Motor, und zweitens sind sie bereits ab Werk so hergestellt, d.h. gar nicht nachträglich getunt.

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, dass Wortbedeutungen von der jeweiligen Kultur abhängen, und warum Übersetzen so schwierig ist. Der Sprachphilosoph Hilary Putnam veranschaulicht am Beispiel Katze, dass selbst vermeintlich “einfache” Wörter nicht immer Eins-zu-Eins übersetzbar sind, denn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben unterschiedliche prototypische Katzen vor Augen: Thailänder eine Siamkatze, Iraner eine Perserkatze, usw., so dass die Übersetzung des thailändischen miu (Mæw) mit Katze strenggenommen nicht korrekt ist.

Der Philosoph W.V.O. Quine hat daraus gefolgert, echtes Übersetzen sei unmöglich, es gebe nur unterschiedlich “brauchbare” Annäherungen.

7. Juli 2010

Visualisierung von Wortfeldern: Translation Explorer

Wenn man im Wörterbuch die Übersetzungen eines Wortes nachschlägt, und dann zu allen gefundenen Übersetzungen wiederum die Übersetzungen zurück in die Ausgangssprache nachschlägt, erhält man Graphen wie den folgenden für das Ausgangswort “witzig”:

Graph zu witzig

Graph zu witzig

Den Graphen hat der Prototyp unserer neuen Anwendung Translation Explorer generiert. Die Wörter der Ausgangssprache sind orange unterlegt, die Wörter der zweiten Sprache blassrosa. Das Ausgangswort befindet sich in der Mitte des Graphen. Im Gegensatz zu den hier gezeigten Screenshots sind die Graphen im Translation Explorer interaktiv. Wenn man ein Wort anklickt, werden diejenigen Wörter, die direkt damit verbunden sind, farblich hervorgehoben (das sieht man weiter unten im Graphen zu “grow”, wo “wachsen” angeklickt wurde). Man kann den Graphen auch auseinanderziehen, mit dem Scrollrad hinein- und hinauszoomen und einzelne Wörter woandershin bewegen.

Wozu sind die Graphen gut? Im folgenden stellen wir drei Einsatzmöglichkeiten vor.

Synonyme finden
Im Graphen zu “witzig” findet man unter den Rückübersetzungen viele Synonyme zum Ausgangswort, wie “spaßig”, “lustig”, “drollig” usw.
Welche Synonyme gibt es für das englische Verb “grow”, und zwar im Sinne von “wachsen”? Ein Blick auf den folgenden Graphen liefert die Antwort.

Graph für grow

Graph für grow

Die richtige Übersetzung in einem bestimmten Kontext finden
Wie sagt man “eine Kugel Eis” auf Englisch? Die Übersetzungen für “Kugel” sind:

spheric spherical ball bowl bullet globe orb orbicule scoop shot slug sphere

Hier der Graph zu “Kugel”:

Graph für Kugel

Graph für Kugel

Die passendste Übersetzung wäre wohl “scoop”, da dieses Wort wiederum mit “Kelle” oder “Schöpfer” ins Deutsche übersetzt wird (oben im Graphen). Tatsächlich sagt man im Englischen “a scoop of ice cream”.

Eine nützliche Erweiterung des Translation Explorers wäre eine Suchanfrage nach Belegstellen, wo man die fragliche Übersetzung dann gleich in echten Textbeispielen überprüfen kann.

Rundreise durch den Wortschatz
Mit einem Rechts-Klick auf ein Wort wird der Graph um dieses Wort anzeigt, so dass man graphisch durch den ganzen Wortschatz “surfen” kann. Das ist nicht nur für visuell veranlagte Leute vielleicht eine motivierendere Art Vokabeln zu “büffeln”.

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter um nicht den Erscheinungstermin vom Translation Explorer zu verpassen.

11. Juni 2010

Portale mit zweisprachigen Beispielsätzen zum Nachschlagen von Übersetzungen

Abgelegt unter: translation memory, Übersetzung — Tags:, , , — admin @ 11:18

Wie findet man heraus, wie ein Wort richtig verwendet wird? Richtig, in dem man in einem Textkorpus die richtige Verwendung im Kontext nachschlägt. Für deutsche Sätze z.B. in der Korpussammlung vom IDS und für englische Sätze z.B. im British National Corpus. Das Nachschlagen in solchen einsprachigen Korpora eignet sich für Muttersprachler oder für fortgeschrittene Sprecher. Wenn jedoch ein Deutschsprachiger mit Anfängerkenntnissen des Englischen eine englische Übersetzung für einen Begriff sucht, kann er nur anhand des Kontextes entscheiden, welche Übersetzung die passende ist. Da er nicht richtig Englisch kann, kann er mit nur einem einsprachigen Korpus nichts anfangen und braucht daher die entsprechende deutsche Übersetzung. An dieser Stelle braucht er also zweisprachige Beispielsätze, in denen er nachschauen kann. Ein paar solcher Portale, die außer uns zweisprachige Beispielsätze zum Durchsuchen anbieten gibt es schon. Je nach Sprachpaar variiert nur die Menge an zweisprachigen Beispielsätzen, die zum Suchbegriff geliefert werden.

Nennenswerte Anbieter zweisprachiger Beispielsätze sind diese sechs (in alphabetischer Reihenfolge):

lingo24linguatoolslingueemymemoryTatoebataus

31. März 2010

Mensch gegenüber Maschine: Technologie in der Übersetzungsbranche

Abgelegt unter: Übersetzung — admin @ 08:39

– Gastbeitrag –

Mensch gegenüber Maschine: eine uralte Auseinandersetzung, die seit Jahrhunderten für Streit sorgt. Bis zurück in die Zeit der Ludditen, den britischen Textilhandwerkern, die sich im 19. Jahrhundert daran machten, systematisch Webmaschinen zu zerstören, die die industrielle Revolution hervorgebracht hatte, haben sich die Menschen traditionell zunächst gegen technischen Fortschritt gesträubt…und ihn später doch bereitwillig angenommen, nachdem seine ganzen Vorteile erkannt worden waren.

Freilich tragen Technik und Maschinen zweifelsfrei dazu bei, dass Menschen ein wesentlich leichteres Leben führen. Aber in welchem Ausmaß können Maschinen tatsächlich das übertreffen, zu dem ein Mensch imstande ist? Nun, tatsächlich sogar in einem ziemlich hohen Maß. Ein Auto bringt uns in weit weniger als einer Stunde weiter als 80 km. Haben Sie schon einmal versucht, eine solche Strecke zu laufen? Und ein Skalpell kann es nicht mit der Präzision der Laserchirurgie aufnehmen.

Die technische Revolution ist jetzt voll im Gang, und die Menschen nehmen diese Veränderungen begeisterter hin als je zuvor. Das Internet, Handys, tragbare Spielkonsolen, MP3-Player…überall umgeben uns Technik und technische Spielereien.

Wir sind uns also darüber einig, dass Technik phantastisch ist. Gibt es aber Bereiche, in denen Menschen der Technik immer überlegen sind? Gibt es irgendetwas, worin Maschinen niemals einen Homo sapiens aus Fleisch und Blut schlagen werden?

Nun, wenn wir einmal die Tatsache beiseite lassen, dass es immerhin Menschen sind, die tatsächlich all diese großartigen Maschinen und Apparate überhaupt erst bauen, gibt es doch immer noch Bereiche, in denen wir nicht zu ersetzen sind. Haben Sie schon einmal einen Roman oder ein Gedicht gelesen, das von einem Computer geschrieben wurde? Oder einen hitverdächtigen Song gekauft, den ein Pentium komponiert hat? Natürlich nicht. Maschinen sind gut, aber nicht so gut.

Sprache beherrschen zum Beispiel wir Menschen am besten. Google, Yahoo, Bing und dergleichen bieten hochentwickelte Maschinenübersetzungen auf einem ziemlich beeindruckenden Niveau an. Die Technik verkleinert zweifellos die Kluft, aber werden Maschinenübersetzungen jemals eine der Arbeit eines Übersetzers gleichwertige Qualität erreichen können? Nein. Maschinen werden niemals in der Lage sein, Stil, Kontext, Kultur oder Nuancen einer Sprache zu verstehen.

Wenn Sie den Text einer E-Mail in einer fremden Sprache von Google übersetzen lassen, ist es möglich, dass Sie den übersetzten Inhalt der Nachricht halbwegs verstehen können. Sie werden jedoch merken, dass er nicht vollkommen richtig klingt.

Stellen Sie sich nun einmal einen komplexeren Text vor, etwa einen Roman, der eine weit größere Anzahl von Adjektiven und Substantiven, Metaphern und umgangssprachlichen Ausdrücken enthält und in dem es vor lauter Synonymen nur so wimmelt. Stellen Sie einmal Google Translate mit ein paar Absätzen aus den Werken Oscar Wildes oder Karl Mays auf die Probe, und Sie werden schnell erkennen, wer tatsächlich der Meister auf dem Gebiet der Übersetzung ist.

Sprache ist ein wahrhaft phantastisches Kommunikationsmittel. Sie stellt auch eine der letzten echten Barrieren dar, die es zur Schaffung eines globalen Dorfes zu überwinden gilt. Und sollten sich nicht alle 6 Milliarden Menschen auf der Welt auf eine einzige gemeinsame Sprache einigen, wird sich daran auch nichts ändern. Und genau aus diesem Grund ist Sprache als Instrument in der heutigen Zeit einer digitalen, globalisierten und rund um die Uhr kommunizierenden Welt von so zentraler Bedeutung.

In allen Sprachen finden sich unzählige Eigenheiten, die illustrieren können, warum Menschen im Vergleich mit Maschinen immer die Oberhand behalten werden, wenn es ums Übersetzen geht. Etliche Wörter lassen sich einfach nicht sehr gut von einer Sprache in die andere übersetzen.

Schadenfreude ist beispielsweise ein deutsches Wort, das die Freude über das Missgeschick oder Unglück anderer zum Ausdruck bringt. Im Englischen gibt es kein einzelnes Wort, das genau diese Bedeutung hat. Es wäre daher in der Übersetzung eine sehr detaillierte Umschreibung nötig, die die linguistische Gewandtheit eines menschlichen Übersetzers erfordert.

Dann gibt es noch als anderes Beispiel aus dem Deutschen die Torschlusspanik, eine Metapher, die die Befürchtung ausdrückt, noch nicht verwirklichte Ziele, vornehmlich aus Altersgründen, möglicherweise nicht mehr zu erreichen. Diese Metapher wird meist für Frauen verwendet, die unter Handlungsdruck gegen ihre biologische Uhr geraten.

Nicht vergessen sollte man auch den recht beeindruckenden Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän, ein Mehrfachkompositum, das aus verschiedenen Hauptwörtern zusammengesetzt ist und einen Kapitän bezeichnet, der für die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) tätig ist. Dieses Wort wird selbstverständlich in unseren Tagen kaum noch benutzt (wann sind Sie zuletzt auf einem Dampfer gereist?), ist aber ein ausgezeichnetes Beispiel für Wörter, die sich nicht so ohne Weiteres ins Englische übersetzen lassen.

Der amerikanische Humorist Mark Twain schrieb einmal: „Manche deutschen Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann.“  Aber der Grund dafür, dass deutsche Wörter oft so viel länger als zum Beispiel englische Wörter sind, liegt natürlich, genau wie bei dem obengenannten Wortriesen aus 42 Buchstaben, darin, dass im Deutschen Komposita verwendet werden, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt sind. Deshalb sind sie nicht immer so einfach zu übersetzen.

Auch im Japanischen gibt es viele Wörter, die sich nicht sehr gut von einer Sprache in die andere übersetzen lassen. Das Wort Kyoikumama
bezeichnet eine Mutter, die ihre Kinder schonungslos zu akademischen Höchstleistungen antreibt. Und im Italienischen ist untore ein ganz spezieller Sündenbock des 17. Jahrhunderts: Während die Pest wütete, konnten die Menschen keine Erklärung dafür finden, wie die Krankheit übertragen wurde. Sie machten dafür eine erdachte Person verantwortlich, die in ihrer Vorstellung von Tür zu Tür ging und die Krankheit so in den Gemeinden verbreitete.

Das Wort, das häufig unter Übersetzern als eines der am schwierigsten zu übersetzenden Wörter gilt, ist Ilunga, ein Wort aus der Sprache Tschiluba, die im Südosten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) gesprochen wird. Dieses Wort bezeichnet einen Mann, der bereit ist, eine Beschimpfung beim ersten Mal zu verzeihen, sie beim zweiten Mal zu tolerieren, aber beim dritten Mal weder zum Vergeben noch zum Verzeihen dieser Beschimpfung bereit ist. Wenn es einem professionellen Übersetzer Mühe machen kann, ein solches Konzept in eine andere Sprache zu übertragen, wie würde dann Google Translate damit zurechtkommen? Uns schaudert bei dem bloßen Gedanken daran.

Die Unterschiede zwischen Sprachen beschränken sich aber nicht allein auf eigentümliche Wörter, die schwer zu übersetzen sind. In allen indoeuropäischen und semitischen Sprachen (also den meisten europäischen Sprachen sowie einigen anderen Sprachen im Nahen Osten, in Afrika und Asien) werden beispielsweise „Artikel“ verwendet. Im Deutschen gibt es der, die, das, ein und eine, und im Englischen the, a und an.

In den Sprachen Chinesisch, Japanisch, Hindi, Malaiisch und Russisch gibt es genaugenommen keine Artikel, wenn dort auch manchmal Wörter verwendet werden, die als Artikel fungieren.

In einigen Sprachen werden bestimmte Artikel – beispielsweise der oder the – nicht immer als eigenständiges Wort benutzt und können ebenso als Suffix am Ende eines Substantivs vorkommen. Das Wort für Haus ist zum Beispiel im Schwedischen hus, aber das Wort für das Haus ist huset. Gleichermaßen ist das Wort für Straße auf Rumänisch drum, aber die Straße heißt drumul.

Sprache ist etwas wirklich Herrliches. Obwohl die meisten Mundarten eine gemeinsame Ursprache teilen, gibt es so viele subtile – und weniger subtile – Unterschiede zwischen den unzähligen Sprachen der Welt, dass nur Menschen in der Lage sind, diese Nuancen wirklich zu verstehen. Maschinen sind Menschen in vielen Bereichen überlegen, aber wenn es um Sprachen und Übersetzungen geht, können sie es mit Menschen nicht aufnehmen.

Über den Autor

Christian Arno ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Anbieters für Übersetzungsdienstleistungen Lingo24. Lingo24 ist in mehr als 60 Ländern für Kunden aus sämtlichen Industriezweigen tätig und erzielte im Jahr 2009 einen Umsatz von €4 Mio. Besuchen Sie Christian Arno auf Twitter: @Lingo24chr.



22. Februar 2010

Interview mit Literaturübersetzerin

Abgelegt unter: deutsch-russisch, Übersetzung — Tags:, , — Peter @ 09:07

In der FAZ erschien ein interessantes Interview mit Rosemarie Tietze, die Leo Tolstois Anna Karenina neu übersetzt hat. Sie berichtet darin von übersetzerischer Detektivarbeit, Schnepfen und dem Nutzen historischer Korpora bei der Übersetzung.

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